Die 70er Jahre

Das Jahrzehnt der Krise und der Rückkehr auf die Erfolgsspur
Keiner wusste es, keiner konnte es ahnen: Dieses Jahrzehnt sollte ein äußerst bewegtes werden. Eines, das den SVE an den Rand des Abgrunds brachte; an dessen Ende allerdings auch wieder Licht am Ende des Tunnels aufleuchtete.


Und es sollte jenes Jahrzehnt werden, das in Bezug auf den SVE von zwei Persönlichkeiten geprägt wurde, die heute als Ehrenvorsitzende immer noch mit höchstem Interesse ihren erfahrenen Blick auf die Geschehnisse rund um den Sportverein werfen. 20 Jahre lang standen sie abwechselnd an der Spitze des SVE; lange Zeit gemeinsam als erster und zweiter Vorsitzender. Das Duo Max Burger und Richard Schuler drückte dem Verein seinen Stempel auf und hinterließ Spuren, die sie bis heute als "echte Macher" auszeichnen.


Max Burger übernimmt das Ruder
Doch wenden wir uns zunächst den schwierigen Anfängen zu. Max Burger löste am 17. Dezember 1971 Gottfried Vetter als Vereinschef ab. Damit trat er in die Fußstapfen seines Vaters. Hermann Burger, der 1950 erster Vorsitzender und Mitinitiator des neuen Clubs war. Gleich in seinem ersten Amtsjahr musste Max Burger mit ansehen, wie die Blau-Weißen eine Niederlage nach der anderen kassierten. Am Ende der Saison war man am Ende - am Ende der Tabelle. Letzter und damit Besitzer der imaginären roten Laterne Die Magerkost auf dem Fußballteller sollte zum gängigen Menü "Auf Eck" werden. In der Saison 1972/73 landeten die Blau-Weißen wieder ganz weit hinten; diesmal war es der zehnte Rang. Die sportliche Talfahrt, einhergehend mit der Sonntag für Sonntag auftretenden Frage, ob überhaupt genügend Spieler zusammengetrommelt werden können, zog erste Auflösungserscheinungen nach sich.

Am Rande der Existenz
Der SVE steckte in einem bedrohlichen Tief. Die Brisanz der Situation verdeutlicht eine denkwürdige Sitzung am 15. Dezember 1973. Im Gasthaus "Hirschen" diskutierten Spieler und Funktionäre über die Zukunft der ersten Mannschaft und damit wohl über die Zukunft des gesamten Vereins. Nicht wenige plädierten für eine Auflösung des Aktiventeams. Dass dieses Szenario doch noch abgewendet werden konnte, verdankt der Sportverein besonders einem Mann: Max Burger. Der damalige Vorsitzende appellierte mit Vehemenz an die Kicker, wenigstens die Rückrunde noch zu Ende zu spielen. Nur sechs Wochen später, am 25. Januar 1974, traf man sich zur endgültigen Entscheidung. Trotz etlicher Spielerabmeldungen erklärte sich eine Mehrheit bereit, entsprechend Max Burgers Vorschlag die zweite Saisonhälfte regulär über die Bühne zu bringen. Dabei half die Verbundenheit ehemaliger Aktiver. Sie schnürten nach teilweise jahrelanger Pause noch einmal die Kickstiefel für den SVE und sprangen für die abgewanderten Spieler in die Bresche. Das endgültige Aus konnte noch einmal verhindert werden.

Krisensitzung im Jahr 1974
Natürlich war allen klar, dass dies nur eine kurzfristige Lösung sein konnte. Und so wanderte der SVE weiterhin am schmalen Grat des Abgrundes. Ohne Zweifel handelte es sich um die schwersten Monate in der Vereinsgeschichte, nur vergleichbar mit der bewegten Gründerphase. Nach einem unter diesen Umständen keineswegs überraschenden zehnten Tabellenplatz ("Eine totale Pleitensaison. Ändert sich die Lage nicht grundsätzlich, dann ist es völlig sinnlos, die neue Runde zu beginnen", so ein damaliger Eintrag in das Vereinsbuch) 1974 stand am 31. Mai desselben Jahres die Generalversammlung auf dem Programm. Wohl selten dürfte gespannter auf eine solche Veranstaltung geblickt worden sein, denn das Damoklesschwert eines Daseins ohne "Erste" schwebte weiterhin bedrohlich über dem Sportverein. Dieses ständige Hin-und-Her hinterließ schließlich auch Spuren bei Max Burger. Unter diesen Umständen stehe er für eine weitere Amtsperiode als erster Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung, erklärte er der Versammlung unmissverständlich. Es war wohl ein letzter Versuch des Vereinschefs, die Mitglieder wachzurütteln und jedem den Sprengsatz dieser Situation vor Augen zu führen. Viel wurde diskutiert, die Emotionen schlugen hoch. Am Ende gab es ein für alle Beteiligten unbefriedigendes Ergebnis, das eigentlich gar kein Ergebnis darstellte. Zum einen fand sich keiner bereit, Max Burger zu beerben. Zum andern stand der Fortbestand der ersten Mannschaft weiterhin in den Sternen.
Wie sollte es nun weitergehen? Diese Frage geisterte durch die Köpfe der Mitglieder. Konsequenterweise trafen sich die Spieler zu einer erneuten Unterredung nur einen Monat später. Dann endlich gab es eine Lösung. Die Entscheidung, erneut an der Spielrunde teilzunehmen, wurde festgezurrt. Nun galt es, diesen positiven Schritt rasch für zusätzliche Weichenstellungen zu nutzen. Daher wurde dem ersten Akt der Generalversammlung, die als "Unvollendete" in die Annalen einging, ein zweiter angefügt. Auf dieser außer-ordentlichen Mitgliederversammlung wurde Max Burger als erster Vorsitzender wiedergewählt.

Jugendabteilung sehr erfolgreich
Die Jugendabteilung wurde in dieser schwierigen Phase nicht vernachlässigt. Im Gegenteil: Jugendleiter Adolf Scheuble und seinen Mitstreitern gelang es, kontinuierlich die Zahl der Jungfußballer zu steigern. Zu Beginn der 70er Jahre wurden im Nachwuchsbereich die Einteilung in Alterstufen eingeführt. Reichten die eigenen Jahrgänge nicht, dann setzte der SVE auf Spielgemeinschaften. Etliche Erfolge konnten eingefahren werden. So wurde 1972/73 die A-Jugend-Kombination aus Ewattingen und Bonndorf Meister in der Kreisstaffel. Im selben Jahr konnte in Kooperation mit Grafenhausen eine E-Jugend angemeldet werden. Damit liefen erstmals Ewattinger Spieler aus vier Jugendmannschaften auf, denn der SVE stellte auch eine B- und D-Jugend. Dreimal stand in diesem Jahrzehnt eine D-Jugend der Blau-Weißen ganz oben in der Tabelle. Die C- und B-Jugendlichen heimsten jeweils zwei Titel ein. Diese spielstarken Jahrgänge sollten sich später als Garant für die Erfolge im Aktivenbereich erweisen.
Mit dem Bau der Wutachhalle wurde ein altes Thema wieder aktuell: Die Standortfrage eines neuen Sportplatzes. Eine Verlegung in unmittelbare Hallennähe wurde angedacht, um die dort vorhandenen Umkleidekabinen und Duschen zu nutzen. Die Überlegungen verliefen allerdings im Sand.
Auf sportlichem Sektor bestand eine der wichtigsten Aufgaben darin, die erfolgreiche A-Jugend in den Aktivenkader einzubauen. In die Mannschaft mussten jedoch nicht nur Spieler verschiedensten Alters integriert werden. Nein, damals spielten etliche Fußballer von auswärts für den SVE. Einer dieser "Legionäre" war Helmar Wenzel. Der bei seinen Sportskollegen sehr beliebte Villinger starb am 6. Oktober 1974 bei einem Verkehrsunfall bei der Wutachmühle.
Schritt für Schritt gelang es, das Leistungsniveau der Mannschaft wieder zu steigern. Vorbei die Jahre, in der die Kicker des SVE eine Niederlage nach der anderen kassierten. Vorbei die Zeit, in der Platzkassierer Günter Huber gerade sieben Zuschauer zählen konnte und er in Absprache mit Vereinsboss Max Burger diesen Treuesten der Treuen das Eintrittsgeld wieder zurückgab. Trotz des Ärgers und der angespannten Situation wurde das 25-jährige Bestehen des SVE mit einem geradezu üppigen Programm gefeiert. Vom 27. bis 30. Juni 1975 dauerte das Fest mit Festbankett, Festgottesdienst, Turnieren und Tanz. Übrigens: Im Einlagespiel stand der Sportverein Ewattingen damals wie auch beim jetzigen Jubiläum dem FV Donaueschingen gegenüber.
Hoffentlich bleibt dies die einzige Parallele, denn die Blau-Weißen verloren 2:13. Auch das Wetter zeigt im Jahr 2000 hoffentlich sein freundlicheres Gesicht. Damals begann es am Freitag exakt eine Stunde vor Beginn des Festbanketts sintflutartig zu regnen. Regelrechte Bäche zogen sich ins Festzelt und sorgten für ein schlammiges Geläuf. Der guten Stimmung tat dieses Unwetter allerdings keinen Abbruch. Vielleicht sorgte dieses überaus gelungene Jubiläum für eine gewisse Initialzündung, denn es ging, wenn auch langsam, sportlich wieder aufwärts. Dabei schien es, als hätten die Ewattinger Kicker den achten Tabellenplatz abonniert. Von 1974 bis 1978 landeten sie immer auf diesem. Dann folgte ein erneuter Leistungsschub. Ähnlich wie 1958/59 spielte wiederum ein äußerst starker Jahrgang der A-Jugendlichen eine entscheidende Rolle. Spieler wie Roland Baumgärtner, Georg Rothmund oder Harald Adelbrecht, Peter Stellmach und Arnold Zimmermann erwiesen sich schon im ersten Jahr als Verstärkung. 1978/1979 (Absoluter Höhepunkt der 3:2 Heimsieg gegen den SSC Donaueschingen, der zuvor alle 14 Spiele gewonnen hatte) und 1979/80 rangierte der SVE beide Male auf Platz vier. Auch auf konstitutioneller Ebene wurden die Weichen gestellt. 1976 entschloss man sich, den SVE ins Vereinsregister eintragen zu lassen.

30 Jahre Sportverein Ewattingen
Damit fand ein Jahrzehnt einen ordentlichen Abschluss, das den SVE nicht nur einmal an den Rand des Abgrunds führte. Die Erfolge der Jugendmannschaften und eine junge Aktivenelf ließen optimistischer in die Zukunft blicken. Der Integrationskraft und dem Engagement einer Reihe von Persönlichkeiten, an erster Stelle muss hier noch einmal Max Burger genannt werden, war es zu verdanken, dass der Ewattinger Sportverein nicht von der Fußballlandkarte verschwand.